FußballSportarten

Anführer und FCN-Legende: Das macht Ex-Profi Thomas Brunner heute

In einer kleinen Bäckerei in Postbauer-Heng (Landkreis Neumarkt) blättert Thomas Brunner durch die Sportseite einer Zeitung. Der 55-Jährige schlürft genüsslich an seinem Kaffee und liest aufmerksam in den Tagesschlagzeilen. Erkannt wird er in dem 7000-Seelen-Ort wohl nur von lokalen Fußballern oder Schulkindern. Früher dürfte es dem Bundesliga-Rekordspieler des 1. FC Nürnberg anders ergangen sein.

Zugegeben, das Haar ist etwas lichter geworden und auch sonst hat sich im Leben von Thomas Brunner einiges verändert. Das wilde Bundesliga-Treiben um Trainer-Entlassungen, Spielertransfers und Rekordablösesummen verfolgt der Oberpfälzer nur noch in den Medien. Der 55-Jährige wohnt in einem kleinen Dorf nahe Neumarkt in der Oberpfalz, arbeitet nun als Sportlehrer und scheint mit dem Profi-Fußball abgeschlossen zu haben. Doch so ganz ohne den Ballsport kann der aktuelle Trainer des Kreisligisten SV Pölling dann doch nicht. Aber von Beginn an.

Den ersten seiner 328 Bundesliga-Einsätze bestritt Brunner mit gerade einmal 18 Jahren. „Am 27. September 1980“ kommt das Datum wie ein Pistolenschuss über die Lippen. Ab der 73. Spielminute stand Brunner damals gegen den 1. FC Köln auf dem Platz, der mit Fußball-Größen wie Pierre Littbarski oder Toni Schumacher eine Ausnahmemannschaft stellte. „Da weißt du auch nicht so recht als junger Bursche, was du denken sollst“, gibt Brunner einen Einblick in seine damalige Gefühlswelt, schränkt aber ein: „Ich wollte mich da einfach beweisen, egal wer der Gegner war. Es war mehr ein Ansporn, sich auf lange Sicht in der Bundesliga etablieren zu können.“

Thomas Brunner: Erfolge auch beim DFB

Und genau das gelang dem Blaibacher (Landkreis Cham) dann letztlich auch. Und auch im Dress der Nationalelf lief es für Brunner rund. Mit den DFB-Junioren holte er den Europa- und Weltmeistertitel. „Die A-Nationalmannschaft war aber nie ein Thema für mich, da gab es einfach bessere.“ Der Blick galt daher dem Club aus Nürnberg, mit dem er in 16 Jahren als Profi so einiges erlebt hat. So 1982, als es im DFB-Pokalfinale gegen den scheinbar übermächtigen FC Bayern München ging. 2:0 führte der Club in der Halbzeit und stand kurz vor der Sensation. Doch gegen Rummenigge, Breitner und Hoeneß, der in diesem Spiel das legendäre Turban-Tor mit Platzwunde am Kopf erzielt hat, reicht es am Ende doch nicht. In der zweiten Hälfte schenkten die Bayern dem Lokalrivalen aus Nürnberg vier Buden ein. „Sehr schade, aber da haben wir nicht das Quantächen Glück gehabt. Aber wir hatten sie am Rande einer Niederlage und das alleine war schon klasse.“

Nur zwei Jahre später beherrschten Brunner und seine Vereinskameraden erneut die Schlagzeilen. Nachdem es am Valznerweiher sportlich nicht so wirklich rund lief, bat Trainer Heinz Höher die Mannschaft zum Straftraining – um 6.30 Uhr morgens. Einigen Spielern hat die Maßnahme des Trainers nicht geschmeckt. Der Spielerrat, in dem auch der zu dieser Zeit verletzte Brunner saß, wandte sich unzufrieden an die Presse und übte Kritik am FCN-Coach. Die Revolte hatte zur Folge, dass einige Spieler den Club verlassen mussten – Brunner blieb. „Ich habe das Gespräch mit ihm gesucht und angeboten den Verein zu verlassen, sollte er mit mir ein Problem haben. Es war ein Gespräch von Mann zu Mann und nach fünf Minuten war die Sache dann vom Tisch – Ende der Geschichte.“

Das Bundesliga-Tor von Thomas Brunner

In der Saison 1984/85 gelang Brunner mit dem Club dann der erneute Aufstieg in die Bundesliga – allerdings erst am letzten Spieltag. Ein entscheidender Treffer von Brunner im Spiel gegen den direkten Aufstiegskonkurrenten Hessen Kassel ging als „Bundesliga-Tor“ in die Club-Analen ein. „Da hat Günter Koch mehr daraus gemacht, als es eigentlich war“, scherzte Brunner über den Kult-Reporter. 1987/88 schnupperte Nürnbergs Dauerläufer auch europäische Fußballluft. Im Uefa-Cup traf der Club in Runde 1 auf den AS Rom. Diese waren mit Rudi Völler oder den italienischen Ballkünstlern Donadoni und Desideri der klare Favorit, für Brunner gar „eine Übermannschaft“. Und auch hier reichte es nicht ganz für die Sensation. Während die Franken das Hinspiel noch siegreich gestalten konnten, verlor man die zweite Begegnung dann unglücklich in der Verlängerung.

1996 war für den inzwischen 34-Jährigen dann klar, die Fußballschuhe nach insgesamt 402 Einsätzen für den Club nach 16 Jahren an den Nagel hängen zu wollen. Schon während der aktiven Zeit absolvierte Brunner seinen Trainerschein und stieg nach seiner aktiven Spielerlaufbahn als Co-Trainer beim FCN ein. Bis 2003 blieb er dem Club in dieser Funktion treu und arbeitete mit Willi Entenmann, Felix Magath, Willi Reimann oder Friedel Rausch zusammen. „Unter Magath war es was völlig anderes, da er eben sehr viel Wert auf Diszplin und Fitness gelegt hat. Unter Augenthaler war es beispielsweise interessant, wie er den Fußball modernisiert hat und die Viererkette beim Club eingeführt hat“, schildert Brunner nur einige seiner Erfahrungen als Assistenztrainer an der Nürnberger Seitenlinie.

Das hält Thomas Brunner vom FCN

Doch 2004 schlug Brunner als selbstständiger Sportlehrer neue berufliche Wege ein. „Für mich war es wichtig nach so vielen Jahren beim FCN dann auch mal wieder Abstand vom Verein zu bekommen.“ Doch mit der Zeit ist die Leidenschaft für den Club beim 55-Jährigen schon wieder da, wie man deutlich merkt: „Den Weg, den Köllner mit den ganzen Jungen eingeschlagen hat und das gute Näschen bei vielen Spielern zeigt, dass sie beim Club jetzt auf einem guten Weg sind.“ Gut ein Viertel Jahrhundert blieb Brunner dem FCN als Spieler und Trainer treu, wobei es aber durchaus lukrative Wechselangebote gegeben hat. „Ich hätte damals für Gladbach unter Jupp Heynckes spielen können“, erzählt er. Doch am Ende blieb er bei seinem Herzensverein, an dem er übrigens folgendes schätzt: „Mit dem Club geht man einfach durch Höhen und Tiefen, der Zuspruch der Zuschauer ist aber immer da. Mir gefällt auch das junge Publikum. Es ist nicht einfach alles nur vom Erfolg abhängig.“

Fotocredit: Sportfoto Zink / WoZi

Share:

Diesen Artikel kommentieren

Your email address will not be published. Required fields are marked *