American Football

Eine starke Football-Familie: Eric und Mark Nzeocha aus Ansbach

Es als deutscher Football-Spieler in die National Football League (NFL), die beste Liga der Welt, zu schaffen – allein das ist eine dicke Überraschung. Von rund 1700 Spielern, die in der abgelaufenen Saison in einem der 32 NFL-Kader standen, sind nur vier in Deutschland geboren. Noch überraschender: Zwei von ihnen stammen aus der selben Familie aus dem mittelfränkischen Ansbach. Eric und Mark Nzeocha haben beide ihren Traum verwirklicht. Ihren Traum, American Football auf höchstem Level spielen zu können.

Bis zu diesem Traum war es jedoch ein harter Weg, vor allem für Europäer. Die Popularität der NFL steigt in Deutschland derzeit zwar stetig, noch immer sind Europäer in der Liga allerdings Exoten. Während sich talentierte Spieler in den USA bereits im Teenie-Alter auf ihren Sport konzentrieren können und mehrmals die Woche mit hervorragend ausgebildeten Trainern zusammenarbeiten dürfen, hat sich American Football hierzulande noch nicht als Volkssport durchgesetzt. Immerhin: Wie auch Basketball-Star Dirk Nowitzki, Fußball-Talent Julian Gressel oder Eishockey-Nationaltorhüter Niklas Treutle wagten die Nzeocha-Brüder den Weg nach Nordamerika und halten dort die deutschen Fahnen hoch.

Mark Nzeocha ebnet den Weg

Mark ist 1990 geboren, sein jüngerer Bruder Eric nur drei Jahre später. Beide begannen bereits in jungen Jahren mit der Sport. Bei den Jugendteams der Franken Knights, einem langjährigen Erstligisten, sammelten die Brüder erste Erfahrungen im weitestgehend kontaktlosen Flag Football, ehe sie später auch im Jugendbereich – nun im Vollkontakt – spielten. Die Leben der Brüder sollten sich aber spätestens 2009 drastisch verändern.

Mit der deutschen Nationalmannschaft trat Mark Nzeocha bei den Junioren-Weltmeisterschaften in den USA an und überzeugte. Die deutsche Auswahl beendete das Turnier auf Rang fünf, der junge Linebacker wurde ins All-Star-Team des Turniers gewählt. Mit gerade einmal 19 Jahren trat der robuste Defensivspezialist erstmals auf die internationale Bühne – und nutzte seine Chance. Die University of Wyoming wurde auf Mark aufmerksam und bot ihm ab 2011 ein Stipendium sowie einen Platz im Football-Team an. Bei den “Cowboys” verfeinerte Mark die in Deutschland erlernten Grundlagen und wurde schnell zum Leistungsträger.

Der kleine Bruder zieht nacht

Eric Nzeocha spielte derweil für die Franken Knights und überzeugte auch in der Junioren-Nationalmannschaft. So sehr, dass die University of Wyoming auch auf ihn aufmerksam wurde und ihn nach Nordamerika holte. Zunächst in der Offensive als Tight End eingesetzt, trainierten ihn die Coaches der “Cowboys” aber auf eine andere Position um. Wie auch Mark sollte Eric seine Stärken als Linebacker in der Defensive ausspielen.

Von 2012 bis 2014 spielten die Brüder also zusammen für die “Cowboys” und begannen, sich mehr und mehr auf eine Profikarriere in der besten Liga der Welt vorzubereiten. Das sportliche Talent liegt dabei in der Familie: Steve, der älteste Bruder, war ebenfalls deutscher Nationalspieler und spielte bei den Düsseldorf Panthern. 2015 schaffte Mark dann zunächst den Sprung zu den Dallas Cowboys, konnte sich bei den Texanern allerdings nicht durchsetzen und kam in zwei Jahren auf nur sieben Einsätze. Seit 2017 ist Mark Nzeocha nun schon für die San Francisco 49ers aktiv und kam in der verganenen Saison in zehn Spielen, hauptsächlich für die Special Teams, zum Einsatz. Mark verfügt über eine gute Kombination aus phyischer Stärke und Geschwindigkeit.

Eine ungewisse Zukunft

Eric hingegen ging in der Talenteziehung 2017 leer aus, erarbeitete sich aber einen Platz im Trainingskader der Tampa Bay Buccaneers. Dort wartet der inzwischen 25-Jährige noch auf seinen ersten NFL-Einsatz. “Für ihn ist es einfach eine riesige Chance, zu zeigen, was er drauf hat und sich zu beweisen”, erklärte Mark, als sein Bruder in den Kader aufgenommen wurde. Die harte Arbeit begann dann allerdings erst.

Ob die Nzeocha-Brüder auch 2018 in einem NFL-Kader stehen, ist noch ungewiss. Bei den 49ers hat sich viel getan auf der Linebacker-Position. Ein Platz im Team der Kalifornier ist für Mark noch nicht sicher. Auch Eric könnte bei den Buccaneers noch vor Saisonbeginn aus dem Trainingskader fliegen. All die Ungewissheit geht einher mit den hohen Gehältern und dem hohen Niveau der Liga. Doch bei 32 Teams ist zumindest die Chance hoch, irgendwo unterzukommen. Mark und Eric Nzeocha müssen sich Jahr für Jahr aufs Neue beweisen. Doch auch das gehört dazu – zum Traum, sich in der besten Liga der Welt durchzusetzen.

Beitragsfoto: © Eierschneider – lizenziert unter Creative Commons 2.0.

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