Mixed Martial ArtsSportarten

Kicks und Sprünge: Im Gespräch mit Kung-Fu-Ass Andreas Kube

Andreas Kube in einer Kung-Fu-Grundstellung.

Kraftvoll ballt Andreas Kube seine Finger zu einer Faust zusammen. Sein Körper steht dabei von der Zehenspitze bis zum Nacken unter Anspannung. Mit dem Ausatmen schlägt er die Faust ins Leere, gefolgt von einem leisen Schrei. Doch nur einige Sekunden später wandelt sich jene Anspannung in eine schon fast locker-geschmeidig wirkende Choreographie aus Figuren, Formen und Sprüngen ab. Diese gipfelt letztlich darin, dass der in Würzburg lebende Student sein Bein in Höhen katapultiert, die für einen untrainierten Laien nicht zu bewerkstelligen wären. Harte Arbeit und vor allem Disziplin haben den 25-Jährigen letztlich zu einem der besten Kung-Fu-Sportler Deutschlands gemacht.

Im nicht-asiatischen Raum dürften vor allem die Filmklassiker der Martial-Arts-Legenden Bruce Lee oder Jackie Chan für die Bekanntheit des chinesischen Kampfsportes gesorgt haben. Doch diese waren für den damals 13-Jährigen nicht der Grund mit dem Shaolin-Kung-Fu anzufangen. Es fällt schon fast ein wenig schwer zu glauben, dass der Weg eines Jugend-Weltmeisters (2009) und European-Grand-Champion im Säbel (2016) durch eine Zeitungsannonce geebnet wurde. Nach dem Besuch einer Kung-Fu-Vorführung im Nachbardorf nahm der Lauterhofener (Landkreis Neumarkt) vor gut zwölf Jahren an seiner ersten Trainingsstunde teil – mit prägender Erinnerung. “Ganz ehrlich, ich habe mich fast übergeben müssen danach, so anstrengend war es.” Doch die Hürden und Herausforderungen der asiatischen Kampfkunst hatten trotz der Härte den Ehrgeiz von Andreas Kube und auch die Liebe zu China geweckt.

Denn das Land aus Fernost spielt für den Schwarzgurtträger in vielerlei Hinsicht eine prägende Rolle. Durch die Kampfkunst verbunden besuchte er 2012 erstmals die Milliarden-Metropole. In seiner Zeit an der Fachoberschule lernte er nebenbei die Sprache, die er inzwischen fließend spricht. Und auch beruflich sollte sich dies auszahlen. Denn inzwischen steht Kube vor seinem Masterabschluss im Studiengang Chinese Studies an der Uni Würzburg. Direkt nach dem Abitur zog es Kube erneut ins Reich der Mitte, dieses Mal für ein ganzes Jahr. “Mir gefällt besonders die Mentalität der Chinesen, die sich von den Deutschen sehr unterscheidet. In China denkt man mehr an die Gruppe und nicht an den einzelnen, das merkt man in jeder Lebenslage”, findet er. Doch für den 25-Jährigen ging es nicht einzig darum Land, Sprache und Leute näher kennenzulernen. In China wollte er weiter an seinen Kampffähigkeiten feilen und praktizierte vor allem Wushu.

Dabei handelt es sich um eine moderne Kombination mehrerer traditioneller, chinesischer Kampfkünste. Im Fokus steht dabei im Gegensatz zum Kung-Fu mehr die Ästhetik und körperliche Fitness, weniger die Anwendung im Alltag. “Du bist dir im Wushu komplett unsicher, ob du manche Formen überhaupt schaffen kannst.” Eine besondere Rolle beim Training spielt auch das Qi. Mit den Kampfkunstformen Tai-Chi und Qi-Gong wird der Qi-Fluss durch langsame Bewegungen und Atemtechniken im Körper reguliert. Für die Chinesen ist die Kontrolle des Qi im eigenen Körper, das als Energiestrom umschrieben werden kann, mitverantwortlich für die Gesundheit eines Menschen.

Andreas Kube triumphiert in China

Mit Beginn seines Master-Studiengangs zog es Andreas Kube erneut nach China. Nach exzessiven Trainingsstunden wollte er sich dort an diversen Wettbewerben mit den besten Athleten der chinesischen Universitäten messen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zwei Goldmedaillen konnte der Austauschstudent wieder nach Deutschland mitbringen. Dort trainiert Kube immer noch bis zu viermal wöchentlich. Kraft, Ausdauer, Dehnung, Formen, Sprünge, Kicks, Techniken – “auf was ich eben gerade Lust habe”, sagt er lachend. Mit dem Training in einem Würzburger Mixed-Martial-Arts-Verein blickt der Student nach eigener Aussage auch gerne mal “über den Tellerrand.”

Und noch immer ist der Ehrgeiz des angehenden Masterabsolventen geweckt. Der Oberpfälzer geht nun auch der Trainertätigkeit nach. Bereits als Jugendlicher übernahm Kube in seiner Heimat eine Kindergruppe. An der Universität bietet er ebenfalls Kurse im Wushu an und erlernt Anfängern die Grundtechniken. Sein Wissen will Andreas Kube, der eine Promotion anstrebt, aber nicht nur an andere weitergeben. “Ich möchte auch weiter hart an mir selbst arbeiten, bestimmte Formen perfektionieren und an Wettkämpfen teilnehmen.” Das große Ziel des Dan-Trägers bleibt dennoch eine eigene Kampfsportschule. Eine geeignete Halle ist bereits in Sicht. Da bleibt uns eigentlich nur noch eines zu sagen: Mach weiter so und alles Gute auf deinem Weg. Fotocredit: privat

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