Eishockey

Eishockey-Star Niklas Treutle: Der erste Nürnberger in der NHL

Niklas Treutle von den Thomas Sabo Ice Tigers.

In der NHL zu spielen ist der Traum eines jeden jungen Eishockeyspielers, der sich mit seinem überdimensionierten Equipment am Abend auf den Weg in die Eishalle macht. Der sich in seiner Freizeit und seinem Lebensstil einschränken muss. Der so hart trainiert, um diesen einen Moment zu erleben: In der Liga zu spielen, in der auch die besten Eishockey-Cracks der Welt ihr Können unter Beweis stellen. Dem gebürtigen Nürnberger Niklas Treutle ist das gelungen, wenn auch nur zeitweise. Jetzt lebt der Torhüter einen anderen Traum.

Treutle lernte das Eishockeyspielen im alter von drei Jahren beim EHC 80 Nürnberg, sein herausragendes Talent war schon im Teenager-Alter erkennbar. Es gehe letztendlich darum, sich mit den Besten zu messen, erklärte Vater Robert Treutle 2007. Da war Niklas gerade 16 Jahre jung und in der U-Nationalmannschaft aktiv. Mit “den Besten messen” bedeutet in dieser Altersklasse, in der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) zu spielen, der höchsten Spielklasse in Deutschland. Das hatte Nürnberg damals nicht zu bieten, also zog es das Torwart-Talent nach Köln. Beim Kölner EC verfeinerte der Youngster später seine Fähigkeiten.

Ein Schritt zurück, viele Schritte nach vorne

Ab dann beginnt der Teil in Treutles Karriere, der durchaus filmreif ist. Der damals 17-Jährige kehrte 2008 zu seinem Jugendverein zurück und spielte für das Bayernliga-Team des EHC 80, in der vierthöchsten Spielklasse. Weit weg von dem, was sich Treutle erhoffte, als er den Schritt nach Köln wagte. Doch anstatt zum traurigen Auffangbecken für eine einst vielversprechende Karriere zu werden, erwies sich der Schritt zurück nach Nürnberg als Sprungbrett. “Turtle”, wie sie den Goalie nennen, avancierte zu einem der besten Torhüter der Bayernliga. So gut, dass auch die Nürnberg Ice Tigers auf ihn aufmerksam wurden.

Beim DEL-Klub erhielt Treutle einen Vertrag samt Förderlizenz, um beim Kooperationspartner Deggendorf Spielpraxis sammeln zu können. Das Erstliga-Debüt folgte im Januar 2009. Über den Umweg Hamburg zog es Treutle schließlich zum EHC München. Dort stieg der Nürnberger zum Stammtorhüter auf und überzeugte mit bärenstarken Fangquoten. So sehr, dass plötzlich die Arizona Coyotes aus der NHL, der besten Eishockey-Liga der Welt, auf ihn aufmerksam wurden. “Es erfüllt mich natürlich mit Stolz, solch eine Chance zu bekommen”, erklärte Treutle 2015. Der Franke wusste, dass er zunächst den Umweg über die unterklassige American Hockey League (AHL) gehen muss – um sich für größere Aufgaben zu empfehlen.

Premiere für Treutle

Nachdem der Ex-Ice-Tiger im Februar 2016 bereits die ersten fast zehn Minuten NHL-Luft schnuppern durfte, feierte Treutle nur wenige Wochen später schließlich sein Debüt in der besten Liga der Welt. Mike Smith, die eigentliche Nummer eins der Coyotes, fiel verletzt aus. Ersatzmann Louis Domingue sollte eine Pause bekommen. So wurde das Talent einfach ins kalte Wasser geworfen – unter ungünstigen Umständen allerdings: Arizona war an guten Tagen allenfalls Durchschnitt in der Liga, der Gegner an jenem Abend eines der zu diesem Zeitpunkt heißesten Teams der NHL. Bei der 1:5-Niederlage seiner Koyoten gegen die Anaheim Ducks (Hier geht’s zum Video) war Treutle weitestgehend machtlos, hinterließ aber speziell bei zwei Toren keinen guten Eindruck.

“Fünf Tore bei 16 Schüssen in nur zwei Dritteln zu kassieren ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass deine Zeit in der NHL begrenzt sein wird”, schrieb die Lokalzeitung “Arizona Republic” damals. Treutle selbst ärgert sich bis heute darüber. “Viel mehr als die Statistik ärgert es mich, die Chance, die ich damals bekommen hatte, nicht genutzt zu haben”, betonte “Turtle” im Interview mit der “Mittelbayerischen Zeitung”. Der Traum von der NHL-Karriere war vorerst geplatzt. Der zu diesem Zeitpunkt erst 25-jährige Torwart musste wieder einen Schritt zurückgehen. Nicht zum ersten Mal in seiner Laufbahn.

Internationale Erfahrungen

Über den finnischen Erstligisten KooKoo und ein halbjähriges Gastspiel bei den Krefeld Pinguinen schloss sich für Treutle erneut der Kreis. Im April 2017 gaben die Ice Tigers die Verpflichtung des Halb-Eigengewächses bekannt. Inzwischen ohne Nürnberg, dafür mit dem Sponsor Thomas Sabo im Namen. In seinem ersten Jahr zurück in der Heimat erreichte der Nürnberger mit seinem Team das Playoff-Halbfinale. Treutle etablierte sich zudem als einer der besten Torhüter der Liga und kam sogar bei der Eishockey-WM in Dänemark für das deutsche Team zum Einsatz. Auch mit den Ice Tigers hat Treutle große Ziele. In der kommenden Saison darf er sich sogar in der Champions Hockey League, der europäischen Eishockey-Königsklasse, und dem Spengler Cup, einem renommierten Turnier in der Schweiz, beweisen. Dann womöglich mit dem Funken Selbstvertrauen, der einst fehlte, um das große Talent auch auf die NHL zu übertragen.

Beitragsfoto: © Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / ThHa

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