Radsport

Milena Slupina: Weltmeisterin im Kunstrad aus Mittelfranken

Hartes Training, Stürze, ein Kampf um Sponsoren und Beachtung: Abseits der großen, grellen Sportarten gibt es zahlreiche Sportler, die mit anderen Problemem zu kämpfen haben als damit, sogar beim morgendlichen Gang zum Bäcker von Fans erkannt zu werden – und das, obwohl sie zur absoluten Weltspitze in ihrer Disziplin gehören. So auch Milena Slupina, Kunstrad-Weltmeisterin aus Roth. Ein Leben ohne Kunstrad kann sie sich trotzdem gar nicht mehr vorstellen. “Ich habe mit 10 Jahren angefangen und dann hat sich nach und nach das Trainingspensum gesteigert, erinnert Slupina sich an ihre Anfänge zurück. Die lagen damals, wie das für die Gegend um Roth herum üblich ist, im Triathlon. Irgendwann hatte die ehrgeizige Fränkin allerdings keine Lust mehr auf die Wettkämpfe und machte sich auf die Suche nach einem neuen Sport. Bei einem Showfahren sah Slupina dann das erste Mal Kunstradfahren, das sie dann für Jahre in den Bann ziehen sollte.

Innerhalb kürzester Zeit machte Slupina in der Kunstrad-Szene auf sich aufmerksam: Erst wenige Monate nachdem sie mit dem Sport anfing, qualifizierte sie sich für die Bayerischen Meisterschaften, nur ein Jahr später gewann sie diese auch in ihrer Altersklasse. 2009 folgte dann die Deutsche Meisterschaft bei den Schülern. All diese Erfolge kommen nicht von ungefähr: Die Weltmeisterin trainiert hart und ist diszipliniert. Von Montag bis Freitag übt Slupina dreimal, jeweils zwei bis drei Stunden lang, in der Turnhalle des Schulzentrums Roth. Am Wochenende folgen entweder weitere Einheiten oder Wettkämpfe im Kunstrad – ein strammes Programm, zumal die erst 23-Jährige bereits ein Masterstudium abgeschlossen hat und fest im Berufsleben steht. Ein weiteres Indiz für die große Disziplin und den Ehrgeiz, mit dem Slupina nicht nur an ihren Sport herangeht.

Kunstrad: Komplex und ästhetisch

Doch was ist Kunstrad überhaupt? In nur fünf Minuten müssen 30 Übungen gezeigt werden. All das muss auf einer Fläche von 14 mal 11 Metern erfolgen, die Seitenlinien dürfen nicht befahren werden. Während Kreativität in der Kür ein wichtiges Element ist, fällt die Spontanität komplett weg: Das Programm, welches der Sportler zeigen möchte, muss vorher bei der Jury eingereicht und der Abfolge entsprechend gefahren werden. Doch die Ästhetik dieser komplexen Sportart kommt erst bei richtig guten Auftritten zum Vorschein. Wie zum Beispiel der Weltmeister-Kür von Milena Slupina bei der WM 2017 im österreichischen Dornbirn:

In der Weltspitze fühlt Slupina sich sichtlich wohl. Jeder Wettkampf ist für sie eine neue Herausforderung. Doch nicht nur sportlich, sondern auch finanziell verlangt das Kunstradfahren der Weltmeisterin alles ab. Ihr Verein, der TSV Bernlohe, hat nicht die Mittel, um für Reisekosten aufzukommen. Vom Verband ist auch keine Unterstützung garantiert. “Es ist zäh”, gibt Slupina zu. Die Suche nach Sponsoren gestaltet sich schwierig, das Kunstrad-Ass ist darauf angewiesen, bei der Suche nach Unterstützern kreativ zu werden. Kunstradfahren ist ein weitestgehend unbekannter Sport, der in den Medien so gut wie keine Beachtung findet – und das, obwohl die athletisch aufwendigen Figuren kaum einen Beobachter unbeeindruckt lassen. Auch die Sporthilfe lehnte kürzlich ab, die amtierende Weltmeisterin zu unterstützen. “Weil ich nicht nachweisen konnte, dass ich mehrjährig bei der absoluten Weltspitze dabei bin”, sagt Slupina leicht entnervt.

Slupina kämpft weiter

Gemeinsam mit ihrer Mutter, die auch gleichzeitig ihre Trainerin ist, muss sich die Deutsche Meisterin von 2016 also jede Menge Zeit und Geld nehmen, um zu den Wettbewerben zu kommen. Wie zum Beispiel dem neu eingeführten Weltcup, der durch vier Stationen (unter anderem im August in Hongkong) führt. Bei der ersten Station in Prag konnte Slupina sich bereits durchsetzen. Für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2018 hat es in diesem Jahr allerdings nicht gereicht, viel zu eng geht es an der Spitze im deutschen Kunstrad zu. Bei nur zwei Kaderplätzen für die EM entscheiden also Kleinigkeiten. “Die Konkurrenz ist gerade bei den Frauen sehr hoch, aber ich kann da auf jeden Fall mitfahren und wenn es bei mir gut läuft kann ich auch gewinnen”, erklärt die inzwischen 23-Jährige.

Auch für die Weltmeisterschaft 2018 im belgischen Lüttich ist die  Titelverteidigerin noch nicht qualifiziert. Im Oktober gilt es bei der Deutschen Meisterschaft, den Startplatz klarzumachen. Für Slupina eine weitere Herausforderung gegen erstklassige Konkurrenz. Wie gut, dass die Rotherin weder Herausforderungen, noch die Konkurrenz scheut. Mehr zu Milena Slupina findet ihr hier im kurzen Gespräch mit der Weltmeisterin:

 

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