Fußball

Kießling und Co: Fränkische Fußballer in der Bundesliga

Fränkische Fußballer in der Bundesliga: Stefan Kießling im Zweikampf mit Kevin-Prince Boateng

Fränkische Fußballer in der Bundesliga? „Fralee gibt’s die nou!“ – und das auch gut zwei Jahrzehnte nach dem Ende der Ära-Matthäus. So war ein Lichtenfelser noch in der Winterpause beim FC Bayern ein Thema. Ein Neustädter durfte in dieser Saison sogar Europa-League-Luft schnuppern. Und dann gab es noch einen anderen, der trotz Torerfolg zum Gespött der Liga wurde.

Wer fränkische Fußballer in der Bundesliga sucht, der kommt an ihm nicht vorbei. Sein Markenzeichen ist der Kuss auf den linken Arm. Jedes Tor widmet Stefan Kießling so seinen Kindern Tailer und Hailey, deren Namen er dort verewigt hat. Nach fast zwölf Jahren im Trikot der Werkself ist diese Geste des 34-jährigen Unterfranken jedoch immer weniger zu sehen – nicht zuletzt weil der Stürmer immer öfter mit der Bank vorlieb nehmen muss. Die Qualitäten des gebürtigen Lichtenfelser sind jedoch unbestritten. Das dürfte nicht nur das im Winter aufkommende Interesse des FC Bayern belegen. Weit mehr als 100 Mal netzte der Ex-Club-Profi im deutschen Oberhaus, in der Saison 2008/09 schrammte er mit 21 Toren gar knapp an der Torjägerkanone vorbei. In Erinnerung bleibt auch das so oft umschriebene Phantomtor, wo Kießling einen Ball via Außennetz ins Tor beförderte. Der Treffer zählte. Im DFB-Dress blieb dem 1,91-Meter-Schlaks der große Wurf aber verwährt.

Einer, der die Jubel-Posen Kießlings zu unterbinden versucht, kommt aus Mittelfranken – genauer gesagt aus Schwabach. Die Rede ist von Torhüter Philipp Tschauner, der mit seinen 33 Jahren seine erste Bundesliga-Saison als Nummer eins erlebt. Nach seinem einzigen Spiel in Deutschlands höchster Liga im Jahr 2005, musste Tschauner zwölf Jahre warten, um wieder im Oberhaus anzukommen. Ausgebildet beim 1. FC Nürnberg führte ihn die Zweitliga-Reise zu den Münchner Löwen und dem FC St. Pauli, wo er auch ein Kopfballtor erzielte. Mit dem Wechsel zu Hannover 96 (2015/16) folgte der Wiederaufstieg in die Bundesliga. Seitdem hütet der Schwabacher nun den Kasten der 96er in Deutschlands Beletage – auch wenn sein Stammplatz nicht immer unumstritten ist.

Ganz im Gegensatz zu dem von Allrounder Niklas Stark, der damals für lappige drei Millionen Euro von Nürnberg in die Hauptstadt wechselte. Bei Hertha BSC ist der Neustädter nach etwas mehr als zwei Jahren aber mal so richtig angekommen. Mehr als 2000 Minuten (Stand: 8. März) stand der 22-Jährige für die Alte Dame auf dem Rasen. Nach seiner Verletzung kam der Defensiv-Spezialist auch beeindruckend zurück: Gegen Augsburg und Hannover legte Stark je ein Tor vor. Bitter verlief hingegen sein erstes Jahr in der Europa-League, in der die Berliner bereits in der Gruppenphase scheiterten. Ausgebildet wurde der einstige U-Nationalspieler übrigens beim 1. FC Nürnberg – wie auch Kießling, Tschauner und der nächste fränkische Fußballer in der Bundesliga.

Last Minute & Slapstick: Fränkische Fußballer in der Bundesliga

Erst im Winter zog es Cedric Teuchert von Nürnberg nach Gelsenkirchen ins deutsche Oberhaus. Der Coburger war in der abgelaufenen Hinrunde absoluter Leistungsträger beim Club und steuerte sechs Tore und zwei Vorlagen in 15 Spielen bei. Ein auslaufender Vertrag und gute Gespräche mit S04-Trainer Domenico Tedesco veranlassten den FCN dem Wechselwillen des Tempodribblers Nachdruck zu verleihen. Rund eine Million floß in die Kassen des Zweitligisten. Ob sich der flinke Stürmer bei Schalke 04 durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Denn die Konkurrenz verspricht mit Namen wie Embolo, Konoplyanka, Harit, Burgstaller oder di Santo – um nur einige zu nennen – eine andere zu sein.

Nur 15 Minuten stand derweil ein Hamburger Flügelflitzer aus dem unterfränkischen Lohr am Main auf dem Feld. Dann war die Saison für Nicolai Müller auch schon vorerst geloffen. Der Flügelflitzer erzielte auch noch einen Treffer, zog sich bei seinem Torjubel allerdings einen Kreuzbandriss zu. Vor dem Karriere-Sprung zum Bundesliga-Dino lief der 30-Jährige in der Jugend der Frankfurter Eintracht und der Spielvereingung Greuther Fürth auf, wo er abgesehen von einem halbjährigen Gastspiel in Sandhausen bis 2011 spielte. Dann folgte der zwei Millionen Euro teure Wechsel in die Bundesliga. Bei seinem neuen Arbeitgeber, dem FSV Mainz 05, horchte Müller vor allem in der Spielzeit 2013/14 mit neun Toren auf, was die Begehrlichkeiten in der Hansestadt zu wecken schien. Beim Hamburger SV avancierte der Unterfranke nach einer durchwachsenen Debütsaison in den darauffolgenden beiden Spielzeiten zum Leistungsträger. Das Formhoch wurde dann durch den ungeschickten Slapstick-Jubel unterbrochen.

Über einen anderen Unterfranken spricht plötzlich die Bundesliga. Die Rede ist von Niklas Dorsch, der erst vor wenigen Tagen (Stand: 1. Mai 2018) sein Bundesliga-Debüt für den FC Bayern gab und gleich einen Treffer für den Rekordmeister markierte. Seinen auslaufenden Vertrag will der Mittelfeldstratege aber wohl nicht verlängern, über ein Interesse des 1. FC Nürnberg, wo der 20-Jährige schon in der Jugend seine Fußballschuhe schnürte, wurde zuletzt immer wieder berichtet. Es bleibt abzuwarten wo die Reise des Lichtenfelsers hingehen wird.

Fotocredit: Bayer 04 Leverkusen

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