Wasserski

Meister der Figuren: Darum fährt Rainer Kapfelsberger Wasserski

Ski, Anzug, Leine und Motorboot – mit diesem Equipment fährt Rainer Kapfelsberger Wasserski. Der 59-Jährige hat bereits 14 nationale und internationale Titel geholt. Im Gespräch mit lokal-sportler.de erklärt der Neumarkter auch, wieso am Tag nicht mehr als zwei Trainingsintervalle auf dem Wasser möglich sind.

Es ist ein Laden für Uhren, Schmuck und Augenoptik inmitten der Neumarkter Innenstadt. Hinter dem Tresen: Rainer Kapfelsberger, 59 Jahre, Hemdträger und Familienvater. Dass der Oberpfälzer zu Europas besten Wasserskiläufern zählt, fällt im ersten Moment nicht auf. Wohl auch, weil der Sport in Deutschland nicht besonders populär ist. Doch bis Kapfelsberger Wasserski als Europameister betreiben durfte, vergingen ein paar Jahre.

Seine Anfänge machte er damals mit zwölf Jahren in Deggendorf. Der Bezug zum Wasser war mit der Donau also gegeben. Die Begeisterung schwappte vom Vater auf den Sohnemann über. Doch der erste Erfolg ließ lange auf sich warten. Wohl auch weil sich Kapfelsberger über sein Talent gar nicht so im Klaren war. Erst in einem Trainingslager mit 30 Jahren bescheinigte ihm ein Coach sein Können. „Da wurde mir dann auch bewusst, hey, so schlecht machst du das gar nicht.“ Wohl auch angespornt durch dessen Worte folgte 1995 die erste Teilnahme bei einer Deutschen Meisterschaft, die zugleich den ersten Titel bedeutete.

Figuren: Die Paradedisziplin von Kapfelsberger

Seine großen Erfolge, darunter zählen inzwischen zwölf Bundestitel und zwei Mannschaftssiege bei Europameisterschaften, feierte der 59-Jährige vor allem im Figurenlauf. Der Fahrer muss dabei vorgegebene Formen aus Drehungen oder Sprüngen in Luft und Wasser absolvieren, welche je nach Schwierigkeitsgrad und Umsetzung mit Punkten bewertet werden. „Man hat für den Versuch nur 20 Sekunden Zeit, Fehler sind also absolut tabu“, erklärt er. Auch im Slalom – dem zeitabhängigen Umfahren von Bojen unter hoher Geschwindigkeit – versucht sich Kapfelsberger. Doch hier sei die Konkurrenz größer, „weil das Training der Figuren mehr Zeit in Anspruch nimmt.“

„Schnellkraft, ein gutes Handling der Belastungen und Reaktionsschelligkeit.“ So definiert Kapfelsberger Wasserski. Der 59-Jährige hält sich daher auch abseits des Wassers fit. So ist der Neumarkter selbst Trainer für Geräteturnen und hatte schon im Januar mit täglichem Fitness- und Schnellkrafttraining begonnen. Warum das notwendig ist? „Wenn ich für Wasserski trainiere reicht meine Kraft für etwa zehn bis zwölf Minuten, danach muss der Körper erst wieder für gut zwei Stunden regenerieren.“ Somit sind pro Tag etwa nur zwei bis drei Trainingsintervalle möglich. Da die Trainingsstrecke nahe Amberg auch ein paar Kilometer entfernt liegt, ist Kapfelsberger zweimal pro Woche vor Ort.

Kapfelsberger will den Salto schaffen

Doch auch im eigenen Schlafzimmer feilt der Wasserski-Spezialist an seinen Figuren. „Ich habe dort einen Trockentrainer stehen, an dem sich Drehungen und Kraftbelastungen üben lassen.“ Im Gespräch mit Kapfelsberger sticht der Ehrgeiz immer wieder heraus. Seit sieben Jahren trainiert er an einer einzigen Figur, welche bei der nächsten Einzel-EM erstmals gezeigt werden soll. Seine Erklärung: „Als alter Mann braucht man da halt ein wenig länger,.“ Kapfelsberger sieht so die Möglichkeit noch ein großes Ziel zu erreichen: den Europameister-Titel im Einzel. „Dann fehlt mir nur noch der Salto“, ergänzt Kapfelsberger mit einem Lachen – was aber der Ernsthaftigkeit der Aussage kein Gewicht nimmt. „Das machen zwar überwiegend die jungen Fahrer, aber das will ich schon noch schaffen.“

100km/h: Findet Rainer Kapfelsberger Wasserski sicher?

Klingt ganz schön gefährlich? Ist es auch. Immerhin sind Wasserskifahrer im Figurenski mit etwa 30 Stundenkilometer unterwegs. Im Slalom bei Querfahrt sogar drei- bis viermal so schnell. Kapfelsberger erklärt, dass das Wasser ab 50 Stundenkilometer etwa so hart wie Beton sei. Doch besonders schwere Verletzungen hat sich der 59-Jährige kaum zugezogen. „Ich trage immer eine Weste, um Rippenbrüche zu vermeiden.“ 

Auf Nummer sicher wird Kapfelsberger auch wieder im März gehen. Dann geht es für ihn mit seiner Frau, ebenfalls dem Wasserski angetan, ins Trainingslager nach Dubai. „Da herrscht optimale Wassertemperatur und auch der Wind ist gut, was sich entsprechend auf das Fahrverhalten auswirkt.“ Doch die Reisekosten und Trainingsstunden sind nicht ganz billig. Mit Wettkampfausrüstung, Vereinstraining (600 Bootsminuten a 1,50 Euro), Trainingslager und Reisen samt Unterkunft und Verpflegung kommt der 59-Jährige auf mehrere Tausend Euro im Jahr. Wie lange er den Sport noch ausüben möchte, weiß Kapfelsberger übrigens auch: „Solange ich noch gut mithalten kann. Mein Vater ist zwar noch mit 82 auf den Skiern gestanden, aber ich denke mit spätestens 70 wird die Wettkampfphase für mich vorbei sein.“ In diesem Sinne: Chapeu!

Bildcredit: privat

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