Fußball

Über die USA zum Fußball-Profi: Soccer-Star Julian Gressel

Gressel

Football in den USA – das sind Männer mit Helmen, überdimensionierter Ausrüstung und jede Menge Werbeunterbrechungen. Für den Fußball, wie wir ihn in Europa kennen, ist da nicht viel Platz. In den vergangenen Jahren hat es die dort ansässige Fußball-Profiliga MLS immer wieder versucht, mit Weltstars im forgeschrittenen Alter für internationale Schlagzeilen zu sorgen. Doch auch für junge Spieler ist die beste Fußball-Liga Nordamerikas ein gutes Sprungbrett, wie Julian Gressel aus Neustadt an der Aisch beweist. Gressel ist vom TSV Neustadt ans College gegangen und hat sich dort mit guten Leistungen für die MLS empfohlen. Im Interview spricht der beste Liga-Neuling der vergangenen Saison über seinen Weg, den Fußball in den USA und das, was er aus der fränkischen Heimat vermisst.

lokal-sportler.de: Du hast mit 19 Jahren den Schritt nach Nordamerika gewagt und bist ans Providence College gegangen. Verglichen mit deiner Zeit in Deutschland, wie sehr sind dort der Alltag und die Bedingungen anders?

Gressel: “Das Leben ist nur in dem Sinne anders, weil man Schule und Fußball perfekt aufeinander abstimmt. Ich hatte damals frühs immer Unterricht und dann am Nachmittag Training. Die Bedingungen waren sehr gut, man hat sehr viele Möglichkeiten, um sich als Spieler zu verbessern.”

In Deutschland warst du in der Regionalliga und der Landesliga aktiv, jetzt bist du Profi. Was war ausschlaggebend für deinen Weg in die USA? Wie wichtig war es für deine Karriere, Erfahrungen auf dem College zu sammeln?

Gressel: “Ausschlaggebend war die Vereinbarung zwischen Schule und Fußball. Ich wollte damals meinen Studienabschluss machen und da haben sich die USA angeboten, da alles perfekt aufeinander abgestimmt ist. Ich habe mich auf dem College als Spieler sehr weiterentwickelt, habe viel Zeit im Kraftraum verbracht und viel mit meinen Trainern gearbeitet, um mir die besten Chancen zu geben für eine mögliche Profikarriere.”

Atlanta als neue Heimat für Gressel

Du wurdest im Draft an achter Stelle im Draft gezogen. Was ging dir durch den Kopf, als du dich auf den Weg zu Commissioner Don Garber auf die Bühne gemacht hast? Hast du damit gerechnet, so früh gezogen zu werden oder gab es Anzeichen, dass Atlanta dich picken wird?

Gressel: “Es war einfach nur ein schönes Gefühl und ein Moment, den ich nie vergessen werde. Ich habe nicht viele Erwartungen gehabt, weil ich weiß, dass bei so einem Draft viel passieren kann und hatte auch keine Ahnung, dass Atlanta mich wählen würde.”

Atlanta ist eine Stadt mit einer sehr bewegten Sport-Historie. Für dein Team, Atlanta United, war es aber die erste Saison in der MLS. Waren die Strukturen im Klub dennoch auf dem Niveau, auf dem du sie erwartet hast?

Gressel: “Ich hatte allgemein keine richtigen Erwartungen als ich nach Atlanta gekommen bin, weil ich noch keine Erfahrungen im Profi-Bereich sammeln durfte. Der Klub hat es mir aber leicht gemacht, uns Spielern wurde sehr viel geholfen, dass wir uns außerhalb vom Platz um nicht viel kümmern mussten und uns auf unsere Leistung konzentrieren konnten.”

Erkennt man dich, wenn du auf der Straße läufst?

Gressel: “Ja, hier und da kommen manchmal Leute auf mich zu und fragen, ob ich denn für Atlanta United spiele.”

Familie statt Schäufele

Was fehlt dir aus der fränkischen Heimat in Atlanta? Gebackener Karpfen, Lebkuchen, Schäufele?

Gressel: “Meine Familie. Es ist schon ein weiter weg zwischen Atlanta und Franken und da wäre es schon manchmal schön, näher bei der Familie zu sein, um mal schnell nach Hause oder etwas essen gehen zu können.”

Gibt es auch Kontakt zu Dennis Schröder, dem Star der Atlanta Hawks?

Gressel: “Ja, hier und da. Er ist viel unterwegs mit seiner Mannschaft, weil sie viele Spiele haben. Aber er kam schon öfter zu einem Spiel und ich war auch schon ein paar Mal bei seinen Spielen.”

Zu guter Letzt: Du hast sieben Jahre lang in der Jugend der SpVgg Greuther Fürth gespielt, aktuell steckt das Kleeblatt im Tabellenkeller. Verfolgst du noch, was dein Jugendklub macht?

Gressel: “Ja, natürlich verfolge ich noch was passiert, weil mein Bruder auch noch in der U19 dort spielt. Ich hoffe, dass sie den Klassenerhalt am Ende der Saison schaffen.”

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