Motorsport

Marco Wittmann: Ein DTM-Champion aus Fürth

Der Fürther DTM-Pilot Marco Wittmann jubelt am Hockenheimring.

Bei den Deutschen Tourenwagen Masters, kurz DTM, zählt Marco Wittmann zu den absoluten Top-Fahrern. Der 28-Jährige aus Fürth durfte sich immerhin bereits zweimal zum Champion der Rennserie krönen. Wir, von lokal-sportler.de, haben uns mit dem Mittelfranken über seine Karriere und sportlichen Ziele unterhalten.

lokal-sportler.de: Marco, ein langes Rennjahr 2017 liegt hinter dir. In den sozialen Medien hast du Fotos vom Skifahren gepostet. Wie hast du denn sonst die Off-Season bislang so verbracht?

Marco Wittmann: “Das stimmt, ich war tatsächlich mehrere Male Skifahren, weil es mir einfach riesigen Spaß macht. Und ich liebe es, im Schnee und in der Sonne in den Bergen zu sein. Die Feiertage habe ich zuhause mit Familie und Freunden verbracht – wenn man so viel reist wie wir Rennfahrer, genießt man es, zuhause zu sein. Natürlich stand regelmäßiges Training auf dem Programm, denn Fitnesstraining ist ein wichtiger Aspekt unserer Arbeitsalltags – ebenso wie der stetige Austausch mit dem Team.”

Aber so ganz ohne Motorsport geht’s nicht, oder?

Wittmann: “Nein, auch wenn die DTM-Pause im Oktober begonnen hat, bedeutet das nicht, dass ich keine Rennen gefahren bin. Im November bin ich im BMW M6 GT3 beim Macao Grand Prix angetreten, am ersten Februar-Wochenende war ich im BMW M6 GT3 beim 12-Stunden-Rennen im australischen Bathurst am Start. Und dann beginnt auch schon bald die direkte Vorbereitung auf die neue DTM-Saison, mit Testfahrten und so weiter.”

Apropos neue Saison: Zwischen 2014 und 2016 hast du dir ja ein Jahr Pause für den nächsten DTM-Gewinn gelassen. 2017 wurdest du nun Fünfter, also muss rein statistisch (2-Jahres-Rhythmus) 2018 wieder der Titel das Ziel sein, oder?

Marco Wittmann: “Norisring ist Highlight der Saison”

Wittmann: “Das war nach der Saison tatsächlich ein geflügeltes Wort bei uns. Dass ich eben der Meister der geraden Jahre bin. Also könnte es 2018 wieder klappen. Aber Spaß beiseite: Natürlich ist der Titel immer das Ziel, auch in den ungeraden Jahren. Wir werden hart dafür arbeiten und alles dafür geben, 2018 wieder ganz oben zu stehen.”

Mit „wir“ meinst du dein Team, BMW RMG, das auch im kommenden Rennjahr wieder auf dich baut. Was denkst du muss im Vergleich zum Rennjahr 2017 besser werden, um insbesondere die Audis von Rast und Co. hinter sich lassen zu können?

Wittmann: “Die DTM ist so eng umkämpft, dass man sich nicht den kleinsten Fehler leisten darf. Dass wir in der Lage sind zu gewinnen, haben wir beim Finale in Hockenheim bewiesen. Es muss einfach alles zusammenpassen, wir müssen hart und konzentriert zu Werke gehen und kleinste Fehler vermeiden. Wir haben das Potenzial für Siege und den Titel, das müssen wir nur umsetzen.”

Im Rennkalender ist auch wieder der Norisring verankert, für dich als Fürther ja sozusagen ein Heimspiel: Ist es für dich etwas besonderes dort zu fahren? Und ganz ehrlich: Ist der Druck vor heimischen Publikum eigentlich größer?

Wittmann: “Das Rennen am Norisring ist für mich das absolute Highlight der Saison. Der Stadtkurs ist einzigartig, die Atmosphäre dort am Dutzendteich ist etwas ganz Besonderes und die Stimmung auf den Tribünen fast mit nichts zu vergleichen. Und dass es mein Heimrennen ist, ist natürlich das Tüpfelchen auf dem i. Dass der Druck größer ist, weil ich vor heimischem Publikum fahre, würde ich nicht sagen. Im Gegenteil: Die massive Unterstützung der Fans für mich als Lokalmatador beflügelt mich noch einmal extra.”

Marco Wittmann kritisiert Formel1

Auf deiner Homepage schreibst du – was bei deinem Beruf ja auch nicht ganz so abwägig ist – dass Autos zu deinen Hobbies zählen. Mal ganz unabhängig von Sponsoren und Teamzugehörigkeit: Welches Fahrzeug möchtest du irgendwann unbedingt einmal in der eigenen Garage stehen haben. Und warum gerade dieser Wagen?

Wittmann: “Um ehrlich zu sein: Das steht schon in meiner Garage! Ich besitze die zwei BMW M4 Champion Edition, die nach meinen DTM-Meisterjahren 2014 und 2016 in limitierter Auflage gebaut wurden. Ich glaube, es gibt nichts Besseres, als Besitzer eines Fahrzeugs zu sein, zu dem man eine so persönliche Beziehung hat, weil die eigenen Erfolge und Leistungen damit geehrt werden.”

Du hast mit Timo Glock ja einen Kollegen in deinem Team, der schon Formel-1-Erfahrung hat. Hast du dich mit ihm schon mal über die Rennserie unterhalten – wäre das in Zukunft auch ein Traum von dir, mal in einem F1-Cockpit eine Saison zu fahren?

Wittmann: “Zu Beginn meiner Karriere habe ich natürlich wie alle jungen Rennfahrer von der Formel 1 geträumt. Dieser Traum hat sich für mich erfüllt, als BMW und Red Bull mir 2015 eine Testfahrt im Formel-1-Boliden ermöglicht haben. Aber ist es ein Ziel für mich, dort zu fahren? Nein. Ich fühle mich in der DTM sehr wohl und bin dort erfolgreich. Ich denke auch, dass das Fahrerniveau höher ist als in der Formel 1. In der DTM haben alle 18 Fahrer das Potenzial, Rennen zu gewinnen und um den Titel zu kämpfen. In der Formel 1 gibt es wenige Topfahrer. Bei den meisten anderen Fahrern ist bei der Cockpitvergabe nicht entscheidend, wie viel Talent sie haben, sondern wie viel Sponsorengeld sie mitbringen. Junge, starke Nachwuchsfahrer haben ohne Geld kaum die Chance, in die Formel 1 zu kommen. Das finde ich schade.”

DTM für Marco Wittmann ein Kindheitstraum

Auch wenn die Frage wohl auch ein bisschen nach Poesiealbum, vierte Grundschulklasse, klingen mag: Wer ist eigentlich dein Vorbild oder gibt es einen Fahrer, den du sehr bewunderst?

Wittmann: “Alex Zanardi. Er ist mein absolutes Vorbild und mein persönlicher Held. Er ist einfach ein ganz besonderer Mensch und immer Optimist geblieben. Hinzu kommt, dass er eine unfassbare Willensstärke hat und ein Mensch ist, der andere einfach begeistert. Seine positive Lebenseinstellung, sein Ehrgeiz, seine Leidenschaft, das alles kann für jeden Menschen nur Vorbild sein. Und noch dazu hat er einen guten Humor und bringt einen immer zum Lachen.”

Zum Abschluss noch eine Bitte, vervollständige einfach folgenden Satz: “Ich liebe meinen Beruf, weil…!”

Wittmann: “… es ein echter Traumjob ist. So viele Jungs träumen davon, Rennfahrer zu werden – und mir ist es gelungen, diesen Traum in die Realität umzusetzen. Das Adrenalin, der Wettkampf, das ständige Ans-Limit-Gehen, all das macht das Rennfahren aus.”

Beitragsfoto: © BMW Group

Share:

Diesen Artikel kommentieren

Your email address will not be published. Required fields are marked *